Schlagzeilen in KW27

Diese Woche: Eine Beschwerde der Deutschen Autoren, Amerikaner dürfen nicht ausgespäht werden und wen das nicht interessiert, zwei Zeugen vor dem NSA-Untersuchungsausschuss, TOR Netzwerk, Psychoexperimente auf Facebook und vieles mehr …

NSA-Skandal
Die Woche ging alles damit los, dass sich die deutschen Literaten (inkl. Ex-SS-Soldat und Literaturnobelpreisträger Günter Grass) darüber wundern, dass sich Frau Merkel einen Scheiß um ihre Bedenken schert. Tja, es geht hier um die Sicherheit der Deutschen Nation die durch die USA mit allen Mitteln verteidigt wird, da müssen die Kulturschaffenden mal wie der kleine Mann hinten anstehen (ein schöner Kommentar von Carsten Dobschat auf Mobilegeeks).

Und auch die Kanzlerin gibt natürlich alles, um die Amerikaner bei der Verteidigung Deutschlands Einigkeit und Recht und Freiheit zu unterstützen. Ok, Deutsches Recht vielleicht nicht. So geistert durch die Presse, dass die NSA auch bei ihrem neuesten Krypto-Handy fleißig mithört und –ließt (hier etwa bei heise).

Aber die Sache mit dem Recht sieht man in den USA ganz anders. Da teilt man die Menschheit in zwei Klassen ein: schützenswerte Amerikaner und den unsäglichen Rest. So findet der Datenschutzbeirat der USA die Totalüberwachung des Internet voll super, so lange man es irgendwie hinbekommt, dass Amerikaner davon nicht betroffen sind (noch ein Artikel bei heise).

Nur zu dumm (für alle Amerikaner), dass diese Rechtsprechung der NSA mal gerade meilenweit am digitalen Arsch vorbei geht. William Binney, der langjährigen technischen Direktor der NSA, sagte diese Woche vor dem NSA Untersuchungsausschuss des Bundestages aus, dass die NSA die Daten aller Menschen auf der Welt sammele (ein Artikel der FAZ).
Er sprach gar von einem totalitären Ansatz. Wer hätte gedacht, dass dieser Ausschuss noch für irgendwas gut ist, haben doch alle beteiligten Parteien beim Verraten der Privatsphäre ihres Volkes kräftig mitgespielt (in diesem Fall mal abgesehen von der SED-Nachfolgepartei).
Außerdem sagte mit Thomas Drake noch ein ehemaliger NSA-Mitarbeiter vor dem Ausschuss aus. Und der bezeichnete den Deutschen BND gleich mal als Wurmfortsatz der NSA. Die Behauptung des BND, man habe dort nichts von der massenhaften Datenüberwachung durch die NSA gewusst, sei angesichts dieser Kooperation „jenseits jeder Glaubwürdigkeit“ (aber lest selbst im Tagesspiegel).

Dass das TOR-Netzwerk der NSA ein ganz großer Dorn im Auge ist, haben die Dokumente von Edward Snowden schon enthüllt ( „Tor stinkt“). Wie diese Woche aus der Analyse eines Code-Fragmentes der NSA-Software XKeyscore bekannt wurde werden alle Nutzer des TOR-Netzwerkes wohl als Extremisten markiert. Und natürlich werden auch alle Zugriffe auf einen der neun Verzeichnisserver des Projektes überwacht. Einer davon wird von einem Nürnberger Studenten betrieben (Details bei Golem). Und nicht nur das, auch Emails oder Suchanfragen bei Google machen einen verdächtig (heise).

Die USA kann nicht nur Cyber-Kriminalität. Die können auch richtig klassische Agententätigkeit. Da gibt es doch tatsächlich einen Doppelagent für den CIA im Bundesnachrichtendienst, der die USA mit Unterlagen aus dem NSA-Untersuchungsausschuss versorgt. Nicht dass sie von unserem Ausschuss irgendwas zu befürchten hätten. Da ist sogar Mutti enttäuscht (Spiegel Online).

Einen schönen Kommentar zu der ganzen Geschichte auf Mobilegeeks von Sascha Pallenberg.

Soziale Netzwerke
Man soll es nicht glaube, meine Freunde von Facebook waren auch wieder aktiv. Hier wurden die die Newsfeeds von rund 700.000 Nutzer manipuliert um mal auszuprobieren wie es sich auf ihre Psyche auswirkt wenn man ihnen alle guten Nachrichten vorenthält (oder nur gute präsentiert). Der Nutzer durfte dann auch später solchen Experimenten in der AGB zustimmen: Sind Sie damit einverstanden, dass wir sie seit Wochen als Laborratte verwendet haben? (Hier ein Artikel bei Winfuture)

Sonstiges
Und hier noch einige völlig überraschende Randnotizen:

  • Die Bitkom hat herausgefunden, dass der Stand der Email-Verschlüsselung in Deutschland desaströs ist (heise).
  • Die neuen Möglichkeiten Daten und Kommunikation zu verschlüsseln verhindert fast nie die Aufklärung von Verbrechen; gute alte Poilzeiarbeit funktioniert also auch noch im 21. Jahrhundert (Winfuture).
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