Schlagzeilen KW42

Diese Woche: Dokumentation über Edward Snowden läuft in den Kinos an, Kanzleramt droht NSA Ausschuss, Regierung hält Dokumente zurück, FBI gibt wegen Handy-Verschlüsselung nicht auf, Deutsche Behörden finden schon Handy-Sperren blöd, Angriffe aus Russland auf Ukraine, NATO und Wirtschaft, in der Schweiz auch keine Aufarbeitung, Dropbox und Snapchat gehackt, Datenschutzreform in der EU, Angela Merkel mal wider verloren in Neuland und vieles mehr.

Geheimdienstskandal
Am 6. November soll der Film Citizenfour von Laura Poitras in Deutschen Kinos anlaufen. Citizenfour war der Deckname unter dem sich Edward Snowden damals beim Guardian und damit mit Glenn Greenwald in Verbindung setzte. Mit dabei bei den ersten Gesprächen war damals auch die Filmemacherin Laura Poitras. Aber nicht nur Snowden sondern auch Glenn Greenwald oder William Binney kommen zu Wort.
Aber nicht nur Kritiker der US-Überwachung sind im Film zu hören, sondern auch der damalige NSA-Direktor Keith Alexander und der Geheimdienstkoordinator James Clapper, deren Aussagen im Film längst als Lügen aufgedeckt sind (heise).

Den Deutschen Behörden liegen nach nun fast eineinhalb Jahren die konkreten Vorwürfe der USA gegen Edward Snowden vor. Jetzt prüft das Bundesamt für Justiz sorgfältig, ob bei einer Einreise nach Deutschland Edward Snowden an die USA ausgeliefert werden müsste (golem).

Das Kanzleramt droht dem NSA-Ausschuss mit juristischen Schritten, sollten weiterhin vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit kommen. In mindestens vier Fällen hätten Medien aus geheimen Akten zitiert. Der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg (CDU) hat einen entsprechenden Brief verlesen, in dem Strafanzeige angedroht wurde, sollte das noch mal vorkommen (Spiegel).

Noch mehr Neuigkeiten aus dem NSA Untersuchungsausschuss: Bei der Vernehmung eines BND-Informatiker stellte sich heraus, dass die Bundesregierung dem Ausschuss wichtige Dokumente „nicht vollumfänglich“ zur Verfügung gestellt hatte. Darauf wurde die Befragung abgebrochen (heise). Was für ein Kasperletheater!

Der Untersuchungsausschuss möchte gerne trotzten herausfinden, wie der BND an die Daten des Frankfurter Internetknotens (DE-CIX) gekommen ist, die dann an die NSA weitergeleitet wurden. Möglicherweise hat die Deutsche Telekom die Daten weitergegeben (der Name des Providers ist in den Akten geschwärzt). Das Bundeskanzleramt hatte abgestritten, dass die Daten direkt am DE-CIX abgegriffen worden seien- dann also an einem Server der Telekom (golem).

Der FBI-Direktor James Comey gibt nicht auf. Er warnt eindringlich vor den Plänen von Apple und Google standardmäßig die Benutzerdaten bei ihre Handy-Betriebssystem zu verschlüsseln. Dann könnten Mordfälle ungelöst bleiben, Verdächtige freikommen und Gerechtigkeit verhindert werden. Er hätte gerne eine gesonderten Zugang für Sicherheitsbehörden (heise). Was der Mann will ist das Gegenstück zu einem Generalschlüssel für jedes Privathaus der Welt, damit dass FBI da mit dem Argument so Verbrechen verhindern zu können ein- und ausgehen kann. Ein Gutes hat das ja: wenn die üblichen Verdächtigen so am Jammern sind, dann könnte der Schritt von Apple und Google echt was bringen.

Doch einfacher kann man wohl die Deutschen Strafverfolgungsbehörden aus dem Tritt bringen zu können. „Auswertung der Beweismittel zunehmend verhindert oder erschwert“, so eine Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken. Allerdings würden die Behörden auch auf „technische Werkzeuge zur Ermittlung von Passwörtern und der Überwindung von Gerätesperren“ zurückgreifen (golem).

Nach Informationen der Firma iSight Research wurde eine bisher unbekannte Lücke in Windows zu Angriffen aus Russland auf Ziele in der NATO, Telekommunikations– und Energiewirtschaft, bei westlichen Regierungen und auf Ukrainischen Politikern genutzt. Grundlage war wohl zumindest bei den Politikern eine präparierte Powerpoint-Datei, die beim öffnen die Lücke in Windows ausnutzte und den russischen Angreifern Zugang zum Rechner verschaffte. Betroffen sind alle Windows Versionen seit Vista. Microsoft wird wohl die Lücke mit einem Patch schnellst möglich schließen (WinFuture).

Um die Reform der Anti-Terror-Datei gab es im Bundestag die üblichen Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition. Grund der Reform ist, dass die Datei in der bisherige Form nicht verfassungsmäßig war. Die Regierung folgte in den Detailänderungen im wesentlichen den Vorschlägen des Innenausschusses (heise).

Auch in der Schweiz verläuft alles im Sande. Vor gut einem Jahr erstattete die Digitale Gesellschaft Schweiz wegen der Überwachung durch die NSA Anzeige bei der Bundesanwaltschaft gegen Unbekannt. Diese Woche wurde Ihnen lediglich mitgeteilt, dass kein Strafverfahren eröffnet wurde. Pikant an der Sache ist, dass bekannt wurde, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft selbst Informationen aus der Amerikanischen Überwachung zurückgreift (Digitale Gesellschaft Schweiz).

Soziale Netzwerke
Im Internet kursieren gerade hunderte Datensätze mit Passwörtern für Dropbox-Konten. Die Hacker boten an gegen die Zahlung von Geld noch mehr Daten zu veröffentlichen. Angeblich seien sie im Besitz von fast 7 Millionen Sätzen (golem).

Hunderttausende private Fotos aus dem Instant Messaging Dienst Snapchat warem im Internet aufgetaucht. Snapchat wirbt damit, dass solche Bilder nur für sehr kurze Zeit abrufbar sind und sich dann selbst zerstören. Wie bereits vermutet wurde ist der der Dienst SnapSaved gehackt worden, was aufgrund eines falsch konfigurierten Servers passiert ist (heise).

Sonstiges
Die Datenschutzreform der EU ist mittlerweile ein Buch mit vielen Kapiteln. Diese Woche einigten sich die EU Innen- und Justizminister darauf bei der Datenverarbeitung die Auflagen zu verringern. Demnach sollen Ämter und Firmen nur dann besondere Schutzanforderungen erfüllen, wenn die personenbezogenen Daten im hohen Maße riskant sind. So soll etwa die Pflicht zur zur Meldung von Sicherheitspannen für bei weniger riskanten personenbezogenen Daten entfallen. Datenschützer sehen solche Einschränkungen kritisch, da es schließlich um den Schutz von Grundrechten geht (heise).

Was für eine fremde Welt das Internet für unsere etablierte Politik im Allgemeinen und für unsere Bundeskanzlerin im Speziellen ist zeigt einmal mehr ihr aktueller Videopodcast über den IT-Gipfel. Sie belegt, dass sie das Thema Netzneutralität oder informelle Selbstbestimmung nicht wirklich verstanden hat. Ist halt Neuland für unsere Kanzlerin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s