Schlagzeilen KW47

Diese Woche: USA Freedom Act gescheitert, Vodafone verrät wohl Deutsche Kunden, Bundesanwaltschaft stellt Ermittlung wegen Merkels Handy ein, kostenlose Software gegen Staatsschnüffelei und eventuell schärfere EU Richtlinien, einiges zu Zero Day Exploits, Jörg Ziercke geht, neugierige Versicherungen und vieles mehr.

Geheimdienstskandal
Und da haben sie wieder zugeschlagen, die bösen US-Republikaner haben Obamas „USA Freedom Act“ im US-Senat gekippt. Damit bleibt alles wie bisher und die US-Geheimdienste dürfen dank Patriot Act weiter vorbehaltlos Telefondaten über US-Bürger sammeln. Stattdessen sollten das die Telfonanbieter für die Geheimdienste tun. Uns nicht Amerikanern hätte der Freedom Act sowieso Null Komma Nix gebracht. Wir stehen mit oder ohne diesen Papiertiger voll im Fokus der Geheimdienste der USA. Und die guten US-Demokraten waren so wie so heftigst an dem Aufbau der weltweiten Überwachung mitbeteiligt (Süddeutsche).

Wie aus Dokumenten von Edward Snowden hervorgeht, war Vodafone über seine Tochter Cable&Wireless wohl sehr stark in die Überwachung deutscher Kunden durch den britischen GCHQ verstrickt. Auch das Deutsche BSI hat nach einem geheimen Dokument Zweifel an der Integrität von Vodafone (WDR).

Apropos Telefonüberwachung: Unsere Bundesanwaltschaft möchte das Ermittlungsverfahren wegen der Überwachung des Handys unserer Kanzlerin mangels Beweise einstellen. Die eigenen Dokumente der NSA reichen wohl als Beweise nicht aus (Focus). Gut dass unsere Steuergelder nicht mehr in dieser Posse verbrannt werden.

Hinter der Initative Resist Surveillance stecken renommierte Organisationen wie der Verein Digitale Gesellschaft, Amnesty International oder die Electronic Frontier Foundation. Auf der entsprechenden Web-Seite kann das Programm Detekt heruntergeladem werden, dass in der Lage ist auf dem eigenen Rechnern nach bekannter staatlicher Überwachsungs-Software zu suchen.

Es ist natürlich klar, dass nur demokratisch legitimierte Regierungen ihre Bevölkerung mit solcher Software ausspähen und überwachen sollten. Daher möchte unser Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erreichen, dass der Export solcher Software aus der EU stärker reglementiert wird (Süddeutsche).

In den letzten Tagen wurde viel über Geheimdienste und Zero Day Exploits geschrieben. Dabei handelt es sich um schwerwiegende Sicherheitslücken in Software, für die es noch keine Gegenmaßnahme gibt. So soll das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik laut dem neuen IT-Sicherheitsgesetz diese zwar sammeln aber nicht veröffentlichen, so dass Nutzer dieser Software zumindest die Risiken kennen würden. Das wäre nicht nur für Privatanwender, sondern gerade für die Wirtschaft extrem wichtig (golem). Wie die Woche zuvor bekannt wurde, plant der Bundesnachrichtendienst sogar sich das Know-how über solche Lücken sogar auf dem Schwarzmarkt zu beschaffen. Verwendet werden solche Lücken beim BND wohl schon (heise). Das Weiße Haus hingegen versucht bei dem Thema abzuwiegeln und lässt verkünden, dass man die meisten entdeckten Lücken diskret an die Hersteller der Software melden würde. Transparent wolle man das Vorgehen allerdings nicht machen (golem).

Nach langen Jahren geht Jörg Ziercke als Leiter des BKAs in den Ruhestand. Herr Ziercke war bekannt für sein etwas angespanntes Verhältnis zum Datenschutz und hat eine lange Liste von umstrittenen Aussagen zu Datenschutz in der Kriminalitätsbekämpfung. Sein Nachfolger wird Holger Münch. Ich wünsche ihm viel Erfolg und vor allem mehr Gespür für bürgerliche Grundrechte (heise).

Sonstiges
Der Versicherer Generali will eine Krankenversicherung auf den Markt bringen, die die Kunden bei gesunder Lebensführung mit Gutscheinen und Rabatten belohnen. Damit der Kunde auch beweisen kann, dass er gesund lebt, soll er eine App wohl auf seinem Handy installieren, die ihn bei seinem gesunden Lebensstil überwacht (Jetzt.de). Erst mal ist eine Versicherung eine Solidargemeinschaft, bei der Risiken auf viele Schultern verteilt werden. Und dem widerspricht es „gute Kunden“ zu begünstigen und „schlechte Kunden“ an die Konkurrenz zu vergraulen. Außerdem ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis solch ein elektronisches Überwachungssystem gehackt wird, zum Bescheißen der Versicherung einerseits oder zum Erbeuten der Daten andererseits.
Bei KFZ-Versicherungen werden Tarife, die auf dem gleichen Prinzip aufbauen bereits angeboten (Süddeutsche).

Die Electronic Frontier Foundation, Mozilla und einige andere wollen kostenlöse Zertifikate für Betreiber von Web-Servern zur Verfügung stellen. Damit können diese dann ihre Web-Seiten verschlüsseln (heise).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s